„Players to watch“: Da lohnt sich ein genauerer Blick!
Wenn bei den Hamburg 7s am kommenden Wochenende die besten Männer- und Frauen-Teams Europas um die EM-Titel kämpfen, gibt es selbstredend einige Spielerinnen und Spieler, bei denen man auch schon mal etwas genauer hingucken kann, weil sie auf die eine oder andere Art herausstechen. In diesem Jahr wollen wir eine besondere Aufmerksamkeit auf eine „Neue“ im Kader der deutschen Girl Gang und einen Spieler des Wolfpack richten, der schon mal Highlights auf dem Platz setzen kann.
Wenn er im Vollsprint den Finger hoch in die Luft streckt, dann gibt’s Punkte für das Wolfpack! MAKONNEN AMEKUEDI gilt als einer DER Finisher im deutschen Männer-Team. Mit seinen überragenden physischen Fähigkeiten ist der Frankfurter für Gegner kaum zu halten, wenn er erst mal richtig in Fahrt kommt.
Unter den internationalen Rugby-Kommentatoren wird er oft als “ehemaliger Basketball-Star“ bezeichnet. Dabei stimmt das überhaupt nicht. “Ich habe mal gesagt, dass ich als Hobby auch gern Basketball spiele, und die haben dann das daraus gemacht“, korrigiert Amekuedi das Missverständnis. Viel eher kommen seine athletischen Skills aus der Leichtathletik. In der Jugend trainierte er dort nämlich den Zehnkampf. Doch dann folgte ein fast klassischer Weg: “Freunde haben mich damals zum SC 1880 zum Rugbytraining mitgenommen. Das hat mir sofort gefallen, und dann habe ich mit der Leichtathletik aufgehört und Rugby gespielt.“ Logisch!
Auch beim Rugby wurde schnell sein Talent offensichtlich. Er durchlief alle Jugend-Nationalteams in Rugby Deutschland – allerdings im 15er-Rugby. Erst relativ spät, nämlich 2022, schloss er sich dem 7er-Programm an. Augenscheinlich mit Erfolg, denn erst zuletzt bei den SVNS World Championships machte der junge Mann mit der Nummer 60 nachhaltig auf sich aufmerksam, gehörte zu den besten Try-Scorern im Kreis der Weltelite.
Auch sein Bundestrainer hält durchaus große Stücke auf ihn: “Makonnen hat riesiges Potenzial. Seine athletischen Voraussetzungen sind unfassbar gut, da hat er absolutes Weltserien-Niveau. Er ist schnell, sprungstark, er steppt gut, ist aggressiv“, so Pablo Fejóo. “Noch etwas Luft nach oben, aber das ist auch natürlich bei einem so jungen Spieler, hat er bei seinen klassischen Rugby-Skills. Er ist auf dem Platz immer gut für verrückte Aktionen, aber er setzt eben auch Highlights. Doch er tut auch das, was wir von ihm wollen: Er soll den Ball tragen und Versuche legen. Am Rest arbeiten wir gemeinsam intensiv weiter, damit er künftig noch wertvoller für das Team sein kann.“
Ein erst 23-jähriger Spieler mit Weltklasse-Potenzial, der schon jetzt spektakuläre Versuche legt und sogar noch Luft nach oben hat? Der ist auf jeden Fall einen genaueren Blick wert.
Sie ist zwar “die Neue“ im Kader der deutschen 7er-Rugbyfrauen, aber mit 28 Jahren bereits eine der erfahreneren Spielerinnen von Bundestrainer Curtis Bradford. Und der ist auch froh, dass RICCARDA HENNIG jetzt für Deutschland spielt: “Ricci bringt unglaublich viel Energie mit in unser Spiel, und sie kommuniziert auch stark. Das sind absolut wertvolle Aspekte, die wir auch brauchen. Dazu ist sie stark in der Verteidigung und hat sehr gute 1-gegen-1-Fähigkeiten. Sie ist also eine Top-Ergänzung zu unserem Kader.“
Dabei war die gebürtige Rosenheimerin eigentlich schon “abgewandert“, bevor sie überhaupt den Rugbysport für sich entdeckt hatte. Im Alter von 12 Jahren zog die Familie aus München nach Wien, wo Ricci als 17-Jährige erst mit dem Rugby begann, nachdem sie bei einem Auslandssemester in Kanada den Sport kennengelernt hatte. Und in Österreich schaffte sie es dann auch in die Nationalmannschaft – unter einem Trainer namens … Curtis Bradford. “Als er dann nach Deutschland gewechselt ist, hat er mich wenig später gefragt, ob ich mir das auch vorstellen könnte“, erzählt Hennig im sympathischen Wiener Dialekt. “Dann hatte ich ein Praktikum in Heidelberg und habe die Mädels kennengelernt. Und daraufhin habe ich dann bewusst die nötigen drei Jahre pausiert, die ich für einen Wechsel der Nationalmannschaft warten musste. Und jetzt bin ich bei der Girl Gang.“
In dieser Zeit hat sie allerdings keineswegs die Füße hochgelegt und gewartet. Stattdessen hat sie in zahlreichen Mannschaften und Einladungsteams und in den verschiedensten Wettbewerben in England, Südafrika, den USA, Italien, in den Niederlanden oder Polen gespielt, um sich – mindestens – fit zu halten, um dann gut vorbereitet mit dem deutschen Frauenteam durchstarten zu können.
Wie sieht sie nun selbst ihre Stärken, die sie ins Team einbringen kann: “Ich denke, ich bin ein Energiebündel und kann so das Team gut motivieren. Und obwohl ich nur 1,63 m groß bin, sehe ich meine Stärken im Tackling und in der Fußarbeit, die ich ins Spiel einbringen kann.“
Mit Ricci Henning, die in ihrer Freizeit beim Wandern und Radfahren gern auch etwas ruhiger in der Natur unterwegs ist, kommt also bei den Hamburg 7s frische Energie und ein ganz neuer Ton in die Girl Gang – nicht nur, was den charmanten Dialekt angeht.