„EM und Hamburg 7s für uns extrem wichtig“
Eine ebenso intensive wie bislang schon erfolgreiche Saison im olympischen 7er-Rugby neigt sich für die deutschen Rugby-Männer langsam dem Ende zu – und doch wartet auf das Wolfpack noch ein absolutes Highlight! Vom 3. bis zum 5. Juli bilden die Hamburg 7s den spektakulären Auftakt der Rugby Europe 7s Championships 2026. Bundestrainer Pablo Feijóo blickt in diesem Interview auf die erste Spielzeit im Kreis der absoluten Weltelite zurück und selbstredend auch voraus auf die Europameisterschaft, die einmal mehr einen ganz besonderen Platz im Turnierkalender Rugby Deutschlands einnimmt.
Pablo, mit ein paar Tagen Abstand: Wie bewertest du die diesjährige SVNS-Kampagne mit der erstmaligen Qualifikation für die SVNS World Championship?
Das war eine spannende und für uns auch sehr lehrreiche Saison bislang. Wir hatten uns zum ersten Mal für die SVNS 2 qualifiziert und sind dort souverän – auch mit einem Turniersieg – direkt in die World Championship aufgestiegen. Alles in allem freue ich mich für die Spieler, die sich zum ersten Mal unter den besten elf Teams der Welt platzieren konnten. Wir konnten uns mehrfach mit den absoluten Topteams der Welt messen und haben auch gezeigt, dass wir auf diesem Level mitspielen können. Und das mit einem noch sehr jungen Team – das ist das Beste. Wir haben vor zwei Jahren einen großen Umbruch gestartet, und jetzt wachsen diese jungen Spieler mehr und mehr zu Topspielern heran. Das ist wirklich schön zu sehen. Natürlich hätte das eine oder andere Ergebnis auch besser sein können – wie eigentlich immer – aber am wichtigsten war, dass die Mannschaft diese vielen Erfahrungen sammeln konnte. Damit werden wir weiterarbeiten und im nächsten Jahr sicher stärker zurückkommen.
Wie gut haben sich die Jungs denn tatsächlich geschlagen? Es gab ja auch nicht wenige Verletzungen. Welche Auswirkungen hatte das oder kann das haben?
Natürlich bleibt es nicht aus, dass man gegen die Topteams wie Neuseeland, Fidschi oder Argentinien Lehrgeld zahlen und auch mal leiden muss. Auf diesem Level sind es ein Spieltempo, eine Körperlichkeit, eine Kontakthärte, eine Intensität, die wir bislang so noch nicht kannten. Hätten wir alle Turniere mit unserem Topteam bestreiten können, hätten wir sicher einige Male noch besser performt. Aber wenn man etwas Gutes an den zahlreichen Verletzungen sehen kann: Auch die weniger erfahrenen Spieler haben so viel Spielzeit auf höchstem Niveau bekommen. Und das hilft uns, für die Zukunft mehr Tiefe in unseren Kader zu bekommen. Der Wettbewerb unter den Spielern wird größer, das ist sehr gut für unsere Entwicklung.
Sind diese zahlreichen Verletzungen auch eine Folge dieser neuen Intensität?
Ja, natürlich. Wir haben in erster Linie Verletzungen an Schulter, Knien, Knöcheln – keine muskulären Verletzungen, wie wir sie im letzten Jahr noch hatten. Das resultiert in erster Linie aus dem Impact, aus den härteren Kontakten in der Weltserie. Das bedeutet für uns: Für dieses Niveau waren wir diese Saison körperlich noch nicht fit genug. Wir müssen schneller in bessere Positionen kommen, schnellere Entscheidungen treffen, dann sind wir auf diese körperliche Intensität auch besser vorbereitet. Daraus müssen wir lernen.
Jetzt steht mit der Europameisterschaft unmittelbar das nächste Highlight an, das diesmal mit den Hamburg 7s startet. Für den Verband ist das ein wichtiges Turnier. Wie ist die Zielsetzung? Und muss man diese wegen der Verletzungsproblematik vielleicht korrigieren?
Der Fokus hat sich sofort nach der World Championship auf die EM gerichtet. Klar, das ist ein extrem wichtiges Turnier für uns und den Verband. Die vielen Verletzungen der erfahrenen Spieler sind natürlich ein Problem. Ohne die hätte ich gesagt, dass wir die Top-2 angreifen können. In der aktuellen Situation muss man das sicher etwas anpassen. Natürlich hoffen wir in der Endabrechnung weiter auf einen Podiumsplatz, auch weil die nachrückenden Spieler es zuletzt wirklich gut gemacht haben. Aber realistisch gesehen könnten wir mit einer Top-5-Platzierung am Ende auch zufrieden sein. Es geht aber – wie immer – zuerst darum, jedes Spiel einzeln anzugehen und von Spiel zu Spiel besser zu werden. Dann erreichen wir auch unsere Ziele.
Ein Heimturnier wir die Hamburg 7s, das ist ja für die Spieler immer sehr besonders. Das kommt ja auch nicht so oft vor. Wie wichtig ist das auch für die Jungs, um sich nach so einer intensiven Zeit wie den SVNS-Turnieren sich wieder auf die EM zu fokussieren?
So ein Heimturnier ist enorm wichtig für die Jungs und natürlich etwas ganz Besonderes. Wir sind als Team sonst in der ganzen Welt unterwegs und weit weg von zu Hause. Sich jetzt den eigenen Fans präsentieren zu können, vor Familien, Freundinnen und Freunden zeigen zu können, was wir draufhaben, ist wichtig und sehr gut für die Motivation. Auch, dass wir mit unserem Frauenteam gemeinsam auf einem Turnier antreten, ist toll. Die Vorfreude ist im Team absolut spürbar. Auch für Rugby Deutschland als Verband ist das wichtig, weil wir der Nation auch im TV zeigen können, wie gut wir sind, wie gut sich Rugby in Deutschland entwickelt.
Letzte Frage: Wie kann das Wolfpack in Hamburg denn aussehen? Besteht die Chance, dass einige der verletzten Topspieler zurückkehren?
Die Chance besteht. Vielleicht kehrt mit Tim Lichtenberg unser Kapitän schon für die Hamburg 7s zurück. Für manch andere wird es leider noch nicht reichen. Aber jeder, der rechtzeitig fit wird, wäre natürlich toll für uns. Im Moment stellt sich das Team beinahe von selbst auf. Umso wichtiger ist es, weitere Talente zu gewinnen, die Rahmenbedingungen mit Bundeswehrplätzen und Sporthilfe weiter zu verbessern, um die Spieler bestmöglich entwickeln zu können, und um dann künftig solche verletzungsbedingten Ausfälle noch leichter kompensieren zu können. Aber daran arbeiten wir im Verband bereits intensiv.