Hamburg7s„Thema Hitze bedarf sicher mehr Aufmerksamkeit“

„Thema Hitze bedarf sicher mehr Aufmerksamkeit“

Dass Extremwetterereignisse wie große Hitze, Starkregen, Gewitter oder Sturm aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen mittlerweile wahrscheinlicher geworden sind und in Zukunft womöglich in ihrer Häufigkeit noch zunehmen, ist Konsens in der Wissenschaft und auch in großen Teilen der Gesellschaft. Insofern ist es selbstverständlich, dass sich auch der Sport und mit ihm vor allem Outdoor-Veranstaltungen wie die Hamburg 7s, die Europameisterschaften im olympischen 7er-Rugby der Männer und Frauen, sich dieses Themas annehmen und darüber nachdenken, wie und mit welchen Maßnahmen man dieser Entwicklung begegnen muss. Rugby Deutschland setzt im Rahmen der Hamburg 7s erste entsprechende Maßnahmen um. Für das Pilotprojekt „Klima wandelt Sport“ wurden drei Sportverbände ausgewählt, die bei der Konzepterstellung hinsichtlich der Klimaanpassung unterstützt werden. In die entsprechenden Untersuchungen fließen auch die Erfahrungen von Aktiven ein, von denen im Interview der Kapitän des deutschen 7er-Rugbynationalteams, Tim Lichtenberg, berichtet.

Tim, wir hatten bereits 2023 in Hamburg die Situation, dass wir sehr heiße Tage während des Turniers hatten, wo deutlich wurde, was das für Spieler*innen und Zuschauende bedeutet. Du kennst diese Situation auch von vielen anderen Turnieren auf der Welt, sei es in Afrika, Südamerika oder auch in Südostasien. Wie nimmst du als Aktiver das wahr?
Natürlich ist große Hitze ein Faktor, der die Leistung beeinflussen kann und über den man schon im Vorfeld eines entsprechenden Turniers auch nachdenkt. Man versucht dann, sich gleich am Anfang drauf einzustellen, indem man genug trinkt, sich bei jeder Gelegenheit irgendwie kühlt. Ich persönlich finde wärmere Bedingungen besser, aber zu große Hitze macht mir auch zu schaffen. Dann geht mir schneller die Luft aus. Während des Spiels allerdings nimmt man das an und versucht, das auszublenden. In der recht kurzen Spielzeit macht sich das, wenn man Vorkehrungen getroffen hat, auch nicht so stark bemerkbar. Man nimmt das natürlich wahr, aber man sagt sich: Der Gegner hat diese Bedingungen ja auch. 

Und wie ist das im Training? Da ist man den Bedingungen ja deutlich länger ausgesetzt als in einem Spiel, nach dem man sich schnell wieder runterkühlen kann.
Das stimmt. Da klappt das mit dem Ausblenden auch nicht so gut. Da ist es natürlich anstrengender, weil man länger auf dem Platz steht. Das macht einem mehr zu schaffen, und der eine oder andere Spieler stöhnt dann auch schon mal ob der Temperaturen. Aber im Grunde können wir an den Bedingungen ja nichts ändern, außer zu versuchen, uns bestmöglich darauf einzustellen. Und natürlich haben die Trainer auch ein Auge darauf und können uns entsprechend auch vom Platz holen, wenn es zu belastend wird.

Es ist im Regelwerk keine echte Regelung zu finden, wann was bei starker Hitze oder bei einem Gewitter zu passieren hat. Hast du es schon erlebt, dass entsprechend Maßnahmen getroffen wurden, um Spieler*innen und Zuschauende zu schützen?
Für die Fans ist es sicher etwas leichter, Maßnehmen einzuleiten. Die können in den Schatten gehen oder haben wie in Hamburg die Chance, sich an kostenlosen Wasserstellen zu versorgen. Oder bei Gewitter gehen sie einfach von der Tribüne und stellen sich gegebenenfalls unter. Aber als Spieler habe ich es noch nicht erlebt, dass es während des Spiels eine extra Trinkpause gibt, wie man es gerade bei der Fußball-WM erlebt. Dafür ist das Spiel natürlich auch zu kurz. Aber bei einem Gewitter werden natürlich auch wir nicht auf dem Platz bleiben. Es gibt sicher Diskussionen, wie in solchen Situationen reagieren müsste, aber in konkreten Maßnahmen oder verpflichtenden Grenzwerten ist das noch nicht gemündet.

Gab es für dich schon die Situation, dass du dachtest: Jetzt geht es wirklich nicht mehr. Jetzt hör ich auf zu spielen?
Natürlich hatte man solche Gedanken schon mal, vor allem, wenn man in der prallen Mittagssonne spielen muss. Aber das zu vermeiden, ist bei der kompakten Turnierform des 7er-Rugbys sehr schwierig. Man versucht, auch in dieser Zeit dosiert zu trainieren, um den Körper etwas zu akklimatisieren und darauf vorzubereiten. Insgesamt muss man aber sagen, dass sich das trotz hoher Intensitäten über die kurze Spieldauer nicht so gravierend auswirkt.

Welche Maßnahmen ergreift ihr dennoch, um euch während oder nach Spielen schnell wieder herunterzukühlen?
Wie schon gesagt, versuchen wir, uns bestmöglich auf die klimatischen Bedingungen vorzubereiten. Und wir ergreifen natürlich Maßnahmen, um großer Hitze entgegenzuwirken: Wir trinken viel, die obligatorische Eistonne ist ohnehin Pflicht, wir bekommen in der Halbzeit einen nassen Lappen oder ein Kühl-Pack in den Nacken. Also, da wird schon drauf geachtet.

Im internationalen Rugby wird seit Jahren besonderer Wert auf das Thema Kopfverletzungen gelegt. Müsste aus deiner Sicht auch das Thema Hitzebelastung mehr Berücksichtigung beim Player Welfare finden?
Im Prinzip schon, das geht ja in die gleiche Richtung. Und das System bei Kopfverletzungen ist mittlerweile sehr gut und ausgereift. Allerdings können Kopfverletzungen im Rugby deutlich häufiger vorkommen als ein Turnier mit besonderer Hitze oder andere Starkwetterereignisse. Von daher: Ja, das Thema müsste man sicher behandeln, aber im Vergleich zu Kopfverletzungen sicher nicht gleichrangig.

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