HH 7s: Männer ungeschlagen ins Halbfinale, Frauen denkbar knapp nicht
Ein Auf und Ab der Gefühle erlebten die deutschen Fans unter den 2400 Zuschauerinnen und Zuschauer am zweiten Turniertag bei den Hamburg 7s, dem Turnier der Rugby Europe Championship. Beide Teams zeigten wiederum starke Leistungen, aber während das Wolfpack weiter nahezu unaufhaltsam durch das Feld pflügt und souverän ins Halbfinale am Sonntag einziehen konnte, schnupperten die deutschen Frauen im Viertelfinale gegen die favorisierten Belgierinnen lange ebenfalls am Halbfinale, mussten sich allerdings knapp mit 5:7 geschlagen geben und spielen jetzt um die Plätze fünf bis sieben.
„Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Turnierverlauf, auch weil wir erst zwölf gegnerische Punkte hinnehmen mussten. Und dass wir jetzt im Halbfinale stehen, ist toll“, unterstrich Wolfpack-Kapitän Philip Gleitze. „Heute waren es zwei richtige Kampfspiele, aber wir haben gezeigt, dass wir es wollen und auch können. Morgen wird es noch mal hart, aber wir wollen in Hamburg ganz nach oben.“
Die deutschen Männer machten im abschließenden Gruppenspiel dort weiter, wo man am starken ersten Tag aufgehört hatte. Spanien war am Samstagvormittag sicher der stärkste Vorrundengegner, aber das Wolfpack spielte wieder konzentriert, verteidigte stark und sicherte sich mit einem 10:0-Sieg die Position des besten Vorrundenteams.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer sahen von Beginn an ein sehr ausgeglichenes Spiel, in dem vor allem die beiden Defensiven zu überzeugen wussten und das über weite Strecken zwischen den 22-Meter-Linien stattfand. Da brauchte es im Vorwärtsgang für das Wolfpack viel Geduld. Doch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte war es dann doch Chris Umeh, der ganz links außen zum Versuch einlief, der den 5:0-Pausenstand bedeutete.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb es eine sehr spannende Partie. Spanien hatte zunächst zwar mehr Ballbesitz, kam gegen die deutsche Verteidigung aber kaum aus der eigenen Hälfte raus. Bei regennassen Bedingungen passierten aber auch auf beiden Seiten kleine Hadlingfehler, die gute Angriffspositionen kosteten. Als Spanien in der Schlussminute für ein unsauberes Tackling die Gelbe Karte sah, war Platz für den sprintstarken Makonnen Amekuedi, der zwar auf der Mallinie noch gefasst wurde, aber dennoch den Versuch zum 10:0-Endstand legen konnte.
Als topgesetztes Team trafen Rugby Deutschlands Männer im Viertelfinale auf Großbritannien. Und wieder hatte das Wolfpack das Geschehen über weite Strecken gut im Griff. Als Philip Gleitze in der 2. Minute einen Groundkick versuchte hatte Makonnen Amekuedi zwar leichte Probleme, den Ball aufzunehmen, aber auch genug Zeit, um den Versuch zu legen. Felix Hufnagel erhöhte diesen und in der 7. Minute auch seinen eigenen Versuch zum 14:0. Kurz darauf sah Ben Ellermann die Gelbe Karte, und die Briten verkürzten noch vor der Pause in Überzahl auf 7:14 – die ersten Gegenpunkte überhaupt für das Wolfpack in diesem Turnier.
Aber wirklich in Gefahr schien der Sieg auch danach nicht zu geraten, auch wenn es spannend blieb. Bennet Veil wehrte in der 9. Minute einen Gegner ab und erlief den nächsten Versuch. Die Briten antworteten zwar mit ihrem Versuch zum 12:19, doch am Ende besorgten Philip Gleitze und Hufnagel mit dem Erhöhungskick zum 26:12 den Sieg, der den völlig verdienten Einzug ins Halbfinale bedeutete, wo es gegen Belgien gehen wird.
Am Halbfinale geschnuppert, aber knapp verpasst
Mit einem souveränen und ebenso deutlichen 40:5-Erfolg im dritten und abschließenden Gruppenspiel gegen Aufsteiger Türkei buchten die deutschen Frauen doch recht klar ihren Platz im Viertelfinale der Hamburg 7s. Von Beginn an hielt die Girl Gang den Druck hoch, und nach zwei Minuten lief Laura Schwinn zum ersten erhöhten Versuch ein. Die Türkei fand schon in dieser Anfangsphase kein Mittel gegen das deutsche Spiel, kam kaum mal nur aus der eigenen 22-Meter-Zone heraus. Und so gelang der deutsche Ballgewinn und der nächste Versuch von Charlotte Malaizier. Und auch Kapitänin Mette Zimmat legte noch vor der Pause im Malfeld ab, sodass es zur Halbzeit schon 19:0 für das deutsche Team hieß.
Direkt vom Wiederankick weg stürmte Zimmat zu ihrem zweiten erhöhten Versuch, und auch in der Folge blieb die Girl Gang das klar spielbestimmende Team, das durch Sophie Hackers erhöhten Versuch auf 33:0 stellte und bis auf eine nennenswerte türkische Offensivszene mit dem Gegenversuch (11.) nichts zuließ. Den Schlusspunkt setzte dann wieder die RD VII in Person von Julia Braun, dessen Versuch Schwinn ebenfalls sicher zum 40:5-Endstand erhöhte.
Im Viertelfinale bekam es die Girl Gang mit den starken Belgierinnen zu tun. Und bei Dauerregen entspann sich zwischen den beiden Teams ein sehr physisches Spiel, in dem die Deutschen früh eine Zeitstrafe, aber in diesen zwei Minuten keine Gegenpunkte kassierten. Stattdessen blieb die Girl Gang mit dem Fuß auf dem Gaspedal und legte in der 5. Minute den ersten Versuch durch die zu Beginn mit Gelb bestrafte Charlotte Malaizier. Mit dem 5:0 ging es in die Pause.
Die deutschen Frauen verteidigten auch danach leidenschaftlich, aber die physisch starken Belgierinnen setzten sich vor dem deutschen Malfeld fest und brachen in der 10. Minute doch durch zum Versuch, der die 7:5-Führung brachte. In der Schlussphase hatte die Girl Gang noch lange Ballbesitz, fand aber keine Lücke in der belgischen Verteidigung und konnte die Partie dementsprechend auch nicht mehr drehen.
„Auch wenn wir das Halbfinale knapp verpasst haben und, weil es so knapp war, natürlich auch traurig sind, bin ich stolz auf die Mädels. Im Spiel gegen die Türkei haben wir unseren Spielplan konsequent durchgezogen und hochverdient gewonnen. Und gegen Belgien, bei dem Wetter, war es ein enger und harter Kampf gegen ein richtig starkes Team, gegen das wir vor allem defensiv stark dagegenhalten konnten.“